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Freitag, 8. august 2008 5 08 /08 /2008 23:48

Etwas mehr als ein Jahr dürfte es her sein, als mein Sohn mir zum ersten Mal die Frage stellte, was er für ein Landsmann wäre. Ich habe die Frage irgendwann erwartet, nur nicht gerade in seinem Alter und zu diesem Zeitpunkt. "Mami, alle meine dunklen Freunde sind nicht deutsch", sagte er. "Wo komme ich denn her?"
"Aus Deutschland".
"Und meine Freunde?"
"Auch aus Deutschland."
"Ja, aber Mami, die reden eine andere Sprache, nicht nur deutsch. So wie ich."
Hm, wie soll man einem 4-jährigem Kind erklären, dass er Deutscher ist, obwohl seine Eltern es nicht sind und seine Muttersprache eben nicht die deutsche Sprache ist? Gar nicht. Es würde das Kind wohl eher überfordern. Meine Kinder sind Weltbürger!

Ich konnte es ja selbst kaum glauben, als ich kurz nach der Geburt meines Sohnes vor 5 Jahren ein Schreiben vom Standesamt erhielt, in dem stand: Es freut uns Ihnen mitteilen zu können, dass ihr Kind die deutsche Staatsbürgerschaft hat." WAS???? Ich traute meinen Augen kaum, als ich weiterhin las: "Ihr Kind wird somit vor den deutschen Behörden und Ämtern als solcher bevorzugt behandelt." Wollen die mich verar...en? Sorry!! Mag sein, dass ich damals etwas überreagiert habe, als ich beim Standesamt anrief und meinen Unmut über den Brief verlauten ließ. Die Dame am anderen Ende der Leitung konnte meine Aufregung so gar nicht verstehen und fragte mich, was ich gegen die deutsche Staatsbürgerschaft hätte. Mein Sohn hätte doch nur Vorteile damit! Ach ja? Welche denn? Unverschämt. Seitdem sind meine Kinder eben Kosmopoliten oder eben Weltbürger.

Hinzufügen muss ich, zum besseren Verständnis, dass ich  Spanierin bin, mein Mann ist Kubaner und meine Kinder haben beide die deutsche Staatsangehörigkeit durch Geburtsrecht erworben. Man nennt dies wohl gesetzlicher Automatismus (was eine Wortwahl), und Kinder ausländischer Eltern, die länger als 8 Jahre ihren Aufenthalt in Deutschland haben und ein unbefristetes Aufenthaltsrecht besitzen, erhalten also automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft. Hinzu kommt bei meinen Kindern die spanische Staatsbürgerschaft. Diese erhalten sie ebenfalls automatisch, wenn ein Elternteil spanischer Nationalität ist. Auf die Staatsbürgerschaft des Vaters jedoch haben wir wohlweislich verzichtet. Das bedeutet also, sie haben eine Mehrstaatigkeit. Für mich ganz klar: KOSMOPOLITEN (Ein Kosmopolit bzw. Cosmopolit (v.
griech.: kósmos = Welt + polítes = Bürger) ist ein Mensch, der seine Identität stärker mit seiner Zugehörigkeit zur Menschheit verbindet als etwa mit seiner sozialen Klasse oder – insbesondere in der Moderne – mit seiner Nationalität). Oder eben Weltbürger. Mit diesem Wort kann ich mich eben leichter identifizieren, denn meine Kinder werden nun mal "international" erzogen.

Nun werde ich oft nach der Nationalität meiner Kinder gefragt. Natürlich wird die Neugierde meiner lieben Mitmenschen geweckt, da ich (käseweiss) mit 2 dunkelhäutigen Kindern rumlaufe, die mich auch noch Mama nennen. Es ist keine Vermutung, sondern eine Tatsache, dass einige denken, die Kinder seien adoptiert. Nur traut sich niemand direkt danach zu Fragen, sondern erhoffen sich mit der Frage nach der Nationalität oder dem Herkunftsland eine befriedigende Antwort zu bekommen. Meine Antwort ist immer ganz klar: kosmopolitisch. Mittlerweile finde ich es ganz amüsant, wie mein Gegenüber immer die Augen aufreißt. Manchmal kommt doch tatsächlich die Frage was das denn für ein Land sei. (Lach). Oft jedoch wird meine Antwort auch  mit "hm, ah ja" kommentiert.

Ehrlich gesagt, ist mir aber das Thema deutsche Staatsangehörigkeit vor kurzem wieder hochgekommen. Als ich nämlich vor 2 Wochen ein Schreiben bekam, von unserem Servicecenter ProArbeit (=ALGII). Leider bin ich bzw. wir momentan in einer Situation in der ich mich gezwungen sehe erstmals einen Neuantrag einzureichen. Ich erhielt daraufhin schriftlich einen Ablehnungsbescheid, mit der Begründung der AUFENTHALTSTATUS meiner Kinder sei nicht geklärt. What the f...?? Oder auf deutsch...was zur Hölle? Natürlich bin ich sofort zum Service-Center und die arme Mitarbeiterin am Empfang hat es volle Granate abgekriegt. Sie sich entschuldigt, wahrscheinlich wüsste die Kollegin nichts von dem Gesetz (ok, ok, aber wie schult ihr denn eure Mitarbeiter?). Als sie mich erneut nach der Nationalität meiner Kinder fragte, sagte ich: "Weltbürger. Obama ist auch einer. Und der ist auch Schwarz und schafft es evtl. sogar ins Weiße Haus." Daraufhin sie:"Ein Weltbüger ins Weiße Haus? Das halte ich für ausgeschlossen, muss der nicht US-Staatsbürger sein?" Ich geb's auf. Kläre sie auf, meine Kinder seien DEUTSCHE und auch wenn sie es nie bis ins Weiße Haus schaffen werden (Danke Gott), sind sie dennoch KOSMOPOLITSCH und hoffentlich nie weltfremd.

von booby - veröffentlicht in: Alltag
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