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Dienstag, 12. august 2008 2 12 /08 /2008 11:42

linkMein Mann sagt immer, es passiert nichts ohne Grund. Dies hat mich die letzten 1 1/2 Jahre oft davor bewahrt meine Fassung zu verlieren, tief durchzuatmen und nicht gleich zu explodieren. Als mein Chef mir im Februar 2007 einen neuen Vertrag vorlegte, den ich unterschreiben sollte, habe ich mich geweigert. Mit dem Erfolg, dass ich seit dem Tag zwar in Elternzeit bin, jedoch ohne Beschäftigung. Was dann folgte ( Arbeitsgericht, Ärger mit dem Arbeitsamt, finanzielle Sorgen, etc...) hat mich manchmal erdrückt. Sehr sogar. Und bis heute sind die Sorgen nicht weniger geworden, im Gegenteil. Aber, wie gesagt.....es passiert nichts ohne Grund!

Das positive an dieser ganzen Geschichte: Ich hatte endlich die Zeit mich intensiv mit meinem Sohn zu beschäftigen. Er ging seit Februar 2006 in den Kindergarten (also ziemlich genau 1 Jahr als ich "beschäftigungslos" wurde) und kam mit jedem Tag der verging schlechter im Kindergarten zurecht. Jeden morgen spielte sich das gleich Drama ab: er weigerte sich aufzustehen, wollte nicht frühstücken, sich nicht anziehen (lassen), nicht waschen, schrie, warf sich auf den Boden und wurde manchmal handgreiflich. Kurzum: er machte alles mögliche um tatsächlich nicht in den Kindergarten zu müssen. Natürlich blieb ich standhaft (ich musste ja arbeiten) und es gelang mir immer nach ewigen Diskussionen, nervenaufreibenden Hin und Her, ihn endlich aus dem Haus zu bekommen. Natürlich kamen wir immer zu spät in den Kindergarten. Dort erst einmal angekommen ging es dann richtig los. Geschrei, Gebrüll, Festklammern....er ließ nichts aus. Ich ging, fühlte mich mies, hatte immer ein schlechtes Gewissen, zweifelte an mir selbst. Betitelte mich manchmal selbst als Rabenmutter. Gespräche mit ihm und den Erzieherinnen führten zu nichts. Ich kam nicht dahinter was mit ihm los sein könnte. Aber es konnte doch nicht normal sein, das ein Kind sich ein Jahr lang nicht wohl fühlt und NIE Freude im Kindergarten hatte! Ich las ihm Bücher über Kindergärten vor, verabredete mich mit Freunden. Umso mehr ich mich bemühte, desto mehr klammerte er. Mir war klar, das dies auf Dauer so nicht weitergehen konnte. Doch ich hatte weder die Zeit noch die Nerven (da war ja auch noch meine Tochter, die auf die Welt kam bevor mein Sohn in den Kindergarten kam) mich INTENSIV darum zu kümmern. Und somit tröstete ich mich mit den Worten, dass dies eine Phase sei, die ja irgendwann vorbei sein müsste, und dann würde alles besser werden.

Am 01.03.2007 musste ich mein Laptop und einige Sachen im Geschäft abgeben. Ich ließ meine kleine Tochter an diesem Tag bei meinen Eltern und beschloß, meinen Sohn mitzunehmen und ihn nicht im KiGa abzugeben. Nachdem ich im Geschäft alles erledigt hatte, ging ich mit meinem Sohn Eis essen. Er genoß offensichtlich, daß die Mama alleine mit ihm war, Zeit hatte mit ihm zu reden, mich mit ihm beschäftigte. Wen wunderts ich stand ja auch nicht unter Zeitdruck. Wir waren den ganzen Nachmittag unterwegs und irgendwann an diesem Tag rückte er endlich mit der Sprache raus: er wurde gehänselt. Die Kinder lachten über ihn und er fühlte sich nicht verstanden. Mir wurde mit einem Schlag bewusst, mein Kind hat durch seine Sprechweise einen riesen Minderwertigkeitskomplex, der im Kindergarten erst richtig zum Problem wurde. Natürlich war mir vorher schon aufgefallen, dass er mich immer schickte, wenn er was haben wollte. "Mama, fragst du bitte, ob ich mitspielen darf?" Wenn ich mich weigerte und ihm sagte er solle doch selber fragen, kam nichts. Er zog es vor alleine zu spielen. Dies ist nur ein Beispiel von vielen. Tatsächlich dachte ich immer, mein Sohn sei schüchtern und traue sich nicht. Dass er aber, bedingt durch seine Aussprache, schüchtern war und sich immer weniger zutraute, der Gedanke kam mir nicht - zumindest nicht direkt. Klar hatte ich schon mal die Erzieherinnen und auch die Kinderärztin auf seine Aussprache angesprochen. Als Mutter fiel mir doch auf, dass er nicht so deutlich sprach wie andere Kinder in seinem Alter. Es wurde mir aber immer wieder versichert, dass es mit 3 Jahren durchaus normal ist. Mittlerweile war er aber ja 4 Jahre alt. Also ging ich wieder im mit ihm zum Kinderarzt. Ich berichtete der Ärztin, was er mir gesagt hatte und sie erzählte mir wiederum, dass er eigentlich seine Aussprache nicht sooo schlimm fände. Wenn er jedoch damit so ein Problem hätte, sollten wir unbedingt gegen steuern. Sie machte mit ihm einen Sprachtest mit dem Ergebnis, dass er tatsächlich einen Sprachfehler hatte. Sein Problem waren wohl die Konsonanten. Im spanischen war dies selten bis gar nicht der Fall. In der deutschen Sprache jedoch offensichtlich. Mit dem Sprachergebnis und bewaffnet mit Telefonnummern von Logopäden gingen wir nach Hause. Ich schöpfte sofort neue Hoffnung, meinem Sohn würde es bestimmt bald besser gehen - seelisch. Und unterrichtete auch die Erzieherinnen von dem neuen Kenntnisstand. Diese empfanden seine Aussprache auch nicht als sooo schlimm, wenn sie jedoch auch zugaben, ihn teilweise so gar nicht verstehen zu können. Ich bemerkte, dass mein Sohn umso schlechter sprach, wenn er aufgeregt war. Nichts war mehr fließend, er verhaspelte sich, wiederholte ein Wort mehrmals.

Es war eine noch grössere Herausforderung eine Logopädin zu finden, die ein 4-jähriges Kind therapieren wollte oder konnte. Immer wieder wurde ich von den Spezialisten mit den gleichen Sätzen abgespeist (so zumindest kam es mir vor). Bis zur Einschulung warten, er wäre noch jung, das könnte sich ja noch ändern....etc, etc. Bei den meisten Praxen liess ich ihn auf Warteliste setzen. Endlich, im Mai 2007, rief eine noch junge Logopädin mich zurück und fragte gezielt nach dem Problem meines Sohnes. Als sie erfuhr, dass er Komplexe hat, war sie sofort bereit ihn aufzunehmen. Im Juni bekamen wir den ersten Termin und sie stellte fest, dass er inkonsequent ist in seiner Aussprache. Da dies wohl eher selten vorkommt, wird es auch oft nicht als Sprachfehler gedeutet - zumindest nicht von uns Laien. Eher typisch und somit auch klar erkennbar sind stottern, lispeln. Um es kurz zu machen - wir hatten einen riesen Glück mit dieser Logopädin. Der guten Frau Leu haben wir so viel zu verdanken. Nach gut 2 Monaten war das Problem Kindergarten gelöst. Mein Sohn stand morgens auf, ging plötzlich gerne in den Kindergarten und hatte viele Freunde. Auch wenn er dennoch klammerte, wenn ich ihn dort hin brachte, so gab es kein Geschrei mehr, kein Gebrüll. Die Erzieherinnen selbst waren von der Verwandlung verblüfft. Mein Sohn ist heute noch bei Frau Leu in Sprachtherapie. Diese wird im Moment umgestellt und ich habe mittlerweile ein sehr gutes Gefühl für seine Einschulung nächstes Jahr. Und wißt ihr was? Jetzt bekomme ich Anrufe von den Logopäden, bei denen ich meinen Sohn auf Warteliste setzen ließ. Jetzt meinen sie, er hätte das Alter, wo sie mit der Therapie beginnen können. Jetzt braucht er sie Gott sei Dank nicht mehr.

Mir wird schlecht bei dem Gedanken, dass ein anderes Kind wirklich erst kurz vor Einschulung mit einer Sprachtherapie anfängt. Ein guter Schulanfang wird damit von Anfang an verbaut. Die Chancen in der Schule mitzukommen werden nicht gerade gut sein. Ganz zu schweigen von einer Schreib- und Leseschwäche, die durchaus daraus resultieren kann, dass ein Kind nicht rechtzeitig therapiert wurde.

In diesem Sinne, kann ich schon dankbar sein, dass mir das mit meinem Arbeitgeber widerfahren ist. Wäre mir dies nicht passiert, hätte ich vermutlich sehr viel später gemerkt WAS für ein Problem mein Sohn hat und hätte dementsprechend erst später, wahrscheinlich zu spät, reagiert.


Hier ein schöner Link zu dem Thema http://www.presseportal.de/pm/54874

von booby - veröffentlicht in: Kinder
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